Abschluss der EU-Übung ALBIS 2008

02.06.2008 von THW LV Sachsen, Thüringen

Logo der EU-Übung Albis

Altenburg/ Leipzig, 31. Mai 2008. Führungskräfte des Länderverbandes Sachsen Thüringen
der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) haben am Samstag in Leipzig eine Auswertung der
EU-Übung ALBIS 2008 vorgenommen. Die Übung fand vom 14. bis 19. Mai in Brüssel, Prag,
Altenburg und Litomerice (Tschechien, Kreis Usti nad Labem) statt.

In der Katastrophenschutzübung Albis 2008 wurde u.a. der EU-Mechanismus beübt. Unter EU-Mechanismus
versteht man das Gemeinschaftsverfahren der EU zur Förderung einer verstärkten
Zusammenarbeit bei Katastrophenschutzeinsätzen. Das Gemeinschaftsverfahren, das seit Januar
2002 in Kraft ist, soll dazu beitragen, den Einsatz der Katastrophenschutzdienste in einem schweren
Notfall besser zu koordinieren.

Die Übung ALBIS 2008 (albis = lateinisch für Elbe) bestand aus folgenden Abschnitten:

14./15. Mai 2008
Beüben des EU-Mechanismus
16. Mai 2008 Verlegung der THW-Einheiten in das Übungsgebiet
17. Mai 2008 Durchführung der Einsatzabschnitte
18. Mai 2008 Rückverlegung der THW-Einheiten
19. Mai 2008 Beüben des EU-Mechanismus

Logistische Herausforderung

Für THW-Einsatzleiter Silvio Volkmann war die Übung ALBIS 2008 vor allem eine logistische
Herausforderung. Von den THW-Ortsverbänden wurden Fachgruppen und Kräfte nach Litomerice
verlegt. Für manche Ortsverbände bedeutet die Übung eine Anfahrt von über 400 Kilometern. In
Pirna war Sammelpunkt und von dort ging es in zwei Marschkolonnen ins Einsatzgebiet. Zunächst
musste die Infrastruktur im Bereitstellungsraum errichtet werden. Die Kräfte fanden dort praktisch
eine grüne Wiese an der Elbe vor. Durch die Fachgruppen aus Thüringen (Heiligenstadt –
Infrastruktur; Suhl – Versorgung, materielle Sicherstellung; Eisenach – Stromversorgung, Erfurt –
Führung und Kommunikation) wurden in kurzer Zeit ein funktionsfähiges Camp aufgebaut.

In verschiedenen Einsatzabschnitten wurden dann am 17. Mai 2008 verschiedene Szenarien beübt.
So gab es eine Rettung von Verletzten und Menschen von einer Elb-Insel. Dabei kamen Boote der
Armee, des Rettungsdienstes, der Polizei und des THW aus Pirna und Grimma sowie ein
Polizeihubschrauber zum Einsatz. Gezeigt wurde ein Sandsackverbau mit Bigpacks (Sandsäcke
mit einer Füllmenge von 1m³-Sand), hierbei wurden dann Pumpen aus Deutschland und Tschechien
zum Einsatz gebracht. Getragen wurden diese Übungsteile von den Ortsverbänden Borna,
Eilenburg und Rudolstadt/Saalfeld. Das THW aus Plauen baute einen Hängesteg über einen
Elbeseitenarm. Zum Abschluss wurde ein Rettungseinsatz an einem Gebäude vorgenommen. Hier
arbeiteten tschechische und deutsche Kameraden gemeinsam an der Einsatzstelle. Für das THW
kamen die Bergungsspezialisten aus Altenburg, Reichenbach, Dresden und Leipzig zum Einsatz.
Eine Einsatzreserve für die Übung bildeten die Ortsverbände Dippoldiswalde und Döbeln.

Gute Küche

Für das leibliche Wohl der THW-Kräfte sorgte die Küche aus Suhl. In Zahlen: 600 Klöße, 125 kg
Nudeln, 150 kg Hackfleisch, 40 kg Gulasch, 600 Portionen Einsatzverpflegung, 2300 Brötchen (50
% aus Tschechien) und 1300 Liter Getränke. Das gute Essen sprach sich schnell auch bei den
tschechischen Kameraden rum und so mussten die Thüringer am Samstag fast 1000 Portionen
Mittagessen ausgeben, rund 600 mehr als geplant.

Hochrangige Gäste

Vom guten Verlauf der Übung konnten sich hochrangige tschechische und deutsche Gäste
überzeugen, darunter der Präsident der Abgeordnetenkammer des Parlaments der Tschechischen
Republik, Dipl.-Ing. Miloslav Vlcek, der Generaldirektor des Feuerwehr-Rettungskorps der
Tschechischen Republik, Generalmajor Dipl.-Ing. Miroslav Štepán, der sächsische Staatsminister
des Innern, Dr. Albrecht Buttolo und der Abteilungsleiter Einsatz der Bundesanstalt THW, Volker
Strotmann. Über den Verlauf der Übung in Litomerice informierte sich ebenfalls Rudi Skalitzky,
stellvertretender THW-Bundeshelfersprecher.

EU-Mechanismus geübt

Am EU-Mechanismus beteiligten sich 30 Staaten, darunter die 27 Mitgliedstaaten der EU sowie
Island, Liechtenstein und Norwegen. Dr. Fritz-Helge Voß, Ständiger Vertreter des
Landesbeauftragten und Übungsverantwortlicher: „Die EU hatte eine dreifache Rolle in der Übung,
welche allesamt sehr förderlich waren: als finanzieller Unterstützer, als Mitübende bei der
europaweiten Alarmierung und der Koordination sowie als fairer und wohlwollender Beobachter.“
Jedes von einer Katastrophe betroffene Land kann über das Monitoring and Information Centre
(MIC – Informations- und Beobachtungszentrum) Hilfe anfordern. Vom MIC aus wird das
Hilfeersuchen an die beteiligten Staaten weitergeleitet. Diese wiederum teilen dem MIC mit, ob und
in welchem Umfang sie helfen können. Die Antworten werden im MIC gesammelt und an das
hilfesuchende Land weitergeleitet. Die Tschechische Republik hat ihre Anforderungen gestellt, diese
wurden durch den EU-Mechanismus an den THW-Länderverband weitergeleitet. Die Annahme der
THW-Unterstützung durch die Tschechische Republik erfolgte am 15. Mai 2008, am 16. Mai 2008
erhielten die THW-Einsatzeinheiten den Einsatzbefehl.
Es waren auf deutscher Seite beteiligt: 170 Helferinnen und Helfer aus 18 THW-Ortsverbände
(Altenburg, Borna, Chemnitz, Dippoldiswalde, Döbeln, Dresden, Eilenburg, Eisenach, Erfurt, Gera,
Grimma, Heiligenstadt, Leipzig, Pirna, Plauen, Reichenbach, Rudolstadt/Saalfeld und Suhl). Auf
tschechischer Seite waren beteiligt: 120 Männer und Frauen des Feuerwehr Rettungskorps (HZS),
100 Soldaten der Armee und des Zivilschutzes, 50 Kräfte des Integrierten Rettungssystems, 20
Mitglieder des Krisenstabes aus Litomerice, Vertreter von Behörden und der Polizei sowie 70
Verletztendarsteller.
Insgesamt 21 internationale Katastrophenschutz-Experten aus acht EU-Mitgliedsstaaten nahmen als
Führungskräfte in der EU-Organisations- und Koordinationsstelle (OSOCC/On-Site Organisation
and Coordination Centre) oder als Beobachter und Schiedsrichter an der durch die EU
mitfinanzierten Übung in Litomerice teil.

Fazit

„Gemeinsam, stets zielorientiert und souverän wurden die geplanten und ungeplanten Aufgaben so
gelöst, dass die Übung ein voller Erfolg war und für die zukünftige Zusammenarbeit richtungweisend ist“, so Dr. Voß in Leipzig. Die Übung ALBIS 2008 hat auch gezeigt, wo es noch Handlungsbedarf
auf beiden Seiten gibt. Da sind zum Einen sprachliche Probleme auf unterster Ebene. Bei den
Führungskräften war Dienstsprache Englisch. Für mehr Aufwand sorgte die Versorgung mit Funk.
Tschechien hat bereits digitalen Funk.
Mit ALBIS 2008 wurde die Zusammenarbeit erprobt. Intensiv waren schon die Vorbereitungen im
Vorfeld der Übung, wertvolle Erfahrungen, die später in echten Einsätzen von Nutzen sind. Jetzt
werden auf allen Ebenen gründliche Schlussfolgerungen für die Arbeit im Anrainerprojekt gezogen.
Und in den Köpfen der Verantwortlichen bei THW und HZS gibt es schon eine nächste Übung
ALBIS.

 

Weitere Informationen zur Übung "Albis 2008" finden Sie unter:
www.albis2008.eu und www.thw-sachsen-thueringen.de

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